Sie kennen vielleicht noch diese Bier-Werbung. Da albert eine Gruppe junger Männer draußen am Bach auf einem Baumstamm herum und einer ruft dann im Büro beim Chef an. Ja, genau… leider, tut uns leid, es wird später, äh heute eher nix mehr, Meeting dauert noch. Hab ich neulich auch versucht. Früher den Schreibtisch verlassen und ganz korrekt Bescheid gegeben: bin erreichbar. Am Handy. So weit so gut. Ich hatte mir sogar eine dieser wunderbaren wasserdichten Hüllen gekauft. Durch die man wie mit Geisterhand den Bildschirm bedienen kann. Durch die Plastiktüte durch! So was erstaunt mich immer noch. Das war der erste Fehler. Und es sollten noch einige an jenem Dienstagnachmittag folgen. Handy. Hülle. Und dann kam Hölle. Handy in der Hülle umgehängt und losgestapft mit einem Koppen-Tuben-Streamer. Es wurde immer kälter. Gegen 15 Uhr 30 letztes Mal Tüten-Handy gecheckt. Noch 13 Prozent Akku. Eine Stunde später kam der Biss. Ein dicker Huchen. Wie lange hatte ich auf den schon gewartet. Mir schossen die ganzen Handy-Fotos der lieben Kameraden durch den Kopf, dann hatte ich den Fisch sicher am Ufer. Ganz still stand er da vor mir, dieser große Raubfisch. Das Handy! Na klar, da lag die Chance aufs Angeben, auf einen sprichwörtlich dicken Post vor mir im Wasser. Hülle rausgekramt und dann sah ich für zwei Sekunden noch einen roten Balken und dann schwarz. Aus. Bildschirm tot. Kein Foto. Akku abgestürzt.
Fisch an der Leine – Angler off-line
Ganz ruhig schaute ich dem Huchen ins Auge. Bemerkte seine rötliche Färbung an der Schwanzwurzel, eine Brustflosse war kleiner… so genau hatte ich lange keinen Fisch mehr bestaunt. Er war erstaunlich schlank, fast dünn. Und nur ganz knapp unter dem Schonmaß von 90 Zentimetern. Mit einem kurzen Ruck löste ich den Einzelhaken, der ganz klassisch in der Zunge saß. Wie in Zeitlupe entschwebte der majestätische Fisch in die Tiefe. Ganz ohne Erinnerungsfoto. Und was soll ich sagen: es fühlte sich gut an. Wie früher, als es noch ohne WhatsApp und Selfie ging. Ich hätte den Chef noch anrufen können, komme nicht mehr ins Office. Und überhaupt, der ganze Wahnsinn im Büro kann mich heute mal. Gott sei Dank war ich schon off-line. Zuhause habe ich dann mal dieses Bier aus der Werbung probiert… P.S. Auf Instagram werden täglich über 40 Millionen neue Fotos verbreitet.


